Auch Lust auf diese Ausstellung?
Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen?
Die Ausstellung »The good in the pot, the bad in the crop. The Storage | Die Sammlung«öffnet die Depottüren von Morsbroich und stellt die Hierarchie innerhalb der eigenen Sammlung zur Diskussion: Die Sammlung im Schloss. Die Sammlung im Depot. Das Märchen von einer nicht-alternden Kunstsammlung. Das Märchen von guter und schlechter Kunst, von repräsentativen Aushängeschildern und vergessenen Lagerwerken, von progressiven Ankaufsentscheidungen und vertanen Chancen, von mutiger Haltung und radikaler Sparpolitik, von Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten.
Anlass ist der im Januar 2025 begonnene Umzug der seit den 1950er-Jahren aufgebauten Museumssammlung in ein externes Kunstlager. Die Kunst zog aus, zurück blieben Fragen. Warum werden bestimmte Kunstwerke immer wieder ausgestellt, während andere seit Jahrzehnten in den Depots lagern? Lässt sich Kunst nach simplen Kriterien in gut und schlecht, in ausstellungswürdig und nicht ausstellungswürdig kategorisieren? Sind die „Lager-Werke“ gesellschaftlich und kunsthistorisch weniger relevant? Oder folgt die Hierarchisierung innerhalb der Sammlung einem verbreiteten, aber überholten Kunstkanon, der auch die eigenen kuratorischen Entscheidungen beeinflusst?
Das Sammeln von Kunst zählt zu den Kernaufgaben eines Museums. Die Sammlung trägt maßgeblich zur Identität eines Hauses bei, bildet die Basis seiner Ausrichtung und steht exemplarisch für seine Haltung und Werte – zumindest im idealen Fall. In der Realität sind Kunstsammlungen, wie auch im Fall von Morsbroich, durch fehlende Ankaufsetats einem zwangsläufigen Alterungsprozess ausgesetzt. Ihr größter Teil lagert abgeschirmt und verborgen in Depots. Nur ausgewählte Werke finden über Dauer- oder Wechselausstellungen ihren Weg in die Öffentlichkeit.
Das damit einhergehende Ungleichgewicht innerhalb der eigenen Sammlung hebt die Ausstellung »the good in the pot, the bad in the crop. The Storage | Die Sammlung« zeitweise auf. Gezeigt werden Werke aus der Sammlung des Museum Morsbroich, die seit vielen Jahren in den Depots lagern. Ihnen werden exemplarisch Arbeiten gegenübergestellt, die häufig in Ausstellungen gezeigt werden. Ziel ist sichtbar zu machen, was nicht sichtbar war – auch, was nicht sichtbar ist. Jede Gegenwart wird einmal historisch und mit ihr überholte Normen, Werte und Ideale. 2026 feiert das Museum Morsbroich sein 75jähriges Jubiläum. Zeit zurückzublicken und Zeit nach vorn zu blicken. Was war, was ist – was sein könnte. Future Fiction